Etwas mit Leidenschaft tun, ist Tugend. Etwas aus Leidenschaft tun, ist Laster. (Augustinus)


Hamlet

Heute weder Hamlet von Rainer Lewandowski

Eine theatrale Verbohrtheit   

        
Foto: Frank Schletter

"HEUTE WEDER HAMLET ...noch sonst was. Heute keine Vorstellung. Fällt aus. Beinbruch", verkündet Sassmann, Bühnentechniker, als er mit höflichem Nachdruck versucht, das Publikum hinaus zu komplimentieren. Aber das Publikum geht nicht und Sassmann, früher selbst einmal Schauspieler, gerät bald unfreiwillig in ein Gespräch mit den Zuschauern, in dem er, immer wieder Hamletszenen zitierend, sein eigenes Leben erzählt. Und so beginnt dann doch noch eine Geschichte.

Es ist die komische und tragische Geschichte eines Theatervorhangziehers; die Biografie eines Menschen, den das Leben im wahrsten Sinn des Wortes an die Seite gestellt hat, dessen Schicksal es ist, dem Leben der anderen, das auch seins sein könnte, von der Seite beizuwohnen. Greifbar nah und doch unerreichbar.
Er ist zum Zusehen verurteilt. Eine Randerscheinung. Eben ein Teil dessen, was leichthin als "graue Masse" bezeichnet wird; einer von denen, die tapfer und nicht ohne Selbstironie ihr Tagwerk verrichten, deren Existenz jedoch erst auffallen würde, wenn sie mal nicht am Platz sind.
Ein Stück Theater im Theater, eine theatrale Verbohrtheit über Ruhm und Scheitern, Gebrauchtwerden und Weggeworfensein, über Verzweiflung und Hoffnung des Künstlers zwischen privatem Glück und Erregung öffentlichen Interesses.

 

Spiel: Dietmar Voigt, Regie: Simon van Parys 

Produktion: kleine.welt.bühne.leipzig; Patrick Maehlig-Schubert
Produktionsleitung / Pressearbeit:
Patrick Maehlig-Schubert, Postfach 50 03 50, D - 04303 Leipzig


Das sagt die Presse:

Vollblut-Theater
Dietmar Voigt glänzt in „Heute weder Hamlet"

Es ist in der Offtheater-Szene beinahe schon die Regel, Klassiker als Stück im Stück zu inszenieren. Wenige Darstel ler spielen Schauspieler, die in viele Rollen schlüpfen. Das spart Geld und Personal. In Rainer Lewandowskis Tra gikomödie „Heute weder Hamlet", mit dem die Kleine Weltbühne am Sonntag in der Schille Premiere hatte, ist das Spiel im Spiel vor allem ein dramatur gischer Kniff. Die geplante Hamlet-Vorstellung fällt aus, Bühnenarbeiter Ingo Sassmann (Dietmar Voigt) kündigt dies an und räumt die Requisiten weg. (Kleiner Gag des Schicksals: Wegen Krankheit war die Premiere des Lewandowski-Stücks im Januar tatsächlich abgesagt wor den.) Erwartungsgemäß bleibt das Pu blikum sitzen, und so nimmt das Ge schehen seinen Lauf. Der frustrierte Arbeiter, dessen Tä tigkeit auf das gelegentliche Bedienen des Bühnenvorhangs reduziert ist, war früher Schauspieler und hat schon mehrmals den berühmten Dänen gege ben. Die Gelegenheit nutzend, erzählt er aus seiner theatralen Vergangenheit und spielt einige Szenen aus dem Klas siker in verschiedenen Varianten nach. Seine Zeit an den Stadttheatern von Zittau, Cottbus oder Karl-Marx-Stadt wird ebenso beleuchtet wie der Skan dal in Bruchsal, der zu seinem Karrie re-Knick führte.Das von Simon van Parys inszenierte Ein-Personen-Drama lebt vor allem von den komischen Situationen und Anekdoten, die Voigt auf herrliche wie berührende Weise vermittelt und durch seine unnachahmliche Mimik den letz ten Schliff gibt. Mit diesem Vollblut schauspieler ist die Rolle schon deshalb authentisch besetzt, weil er eine Welt spiegelt, die ihm wunderbar vertraut ist. Einige der Repliken wie „Ich weiß, was ich kann" und „Ich bleibe einsatz bereit" können auf ihn selbst bezogen werden. Die Komik findet in der Vorführung unterschiedlicher Einsatzmöglichkei ten des Bühnenvorhangs und der ziel sicheren Parodie postmodernen Regie theaters ihren Höhepunkt. Es gibt aber auch tragische Momente, wenn bei­spielsweise Sassmann die Parallelen zwischen seiner Frau Rebecca und Shakespeares Ophelia gegenüberstellt. Nach dem überraschenden Ende und einer originellen Applaus-Ordnung weiß man spätestens, dass eine von Sassmanns Theaterweisheiten nicht auf sein Alter Ego Dietmar Voigt zu trifft: „Die meisten Schauspieler sind am besten, wenn maman sie nicht sieht." Und dass das strapazierte Spiel-im Spiel immer wieder spannend sein kann. Janna Kagerer LVZ 4. März 2008

 


Veranstaltern und Bühnen, die Interesse an einem Gastspiel haben, senden wir gerne auf Anfrage die Bühnenbedingungen für "Heute weder Hamlet" zu.
KONTAKT: mail[ät]kleineweltbuehne.de


  




















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