Etwas mit Leidenschaft tun, ist Tugend. Etwas aus Leidenschaft tun, ist Laster. (Augustinus)


Programmatik

„Theater hat nur eine Chance, wenn es sich als Instrument der Verlangsamung gegen die allgemeine Beschleunigung des Lebens, der Kommunikation und der Wahrnehmung versteht." (Heiner Müller)


Die kleine.welt.bühne versteht sich als professionelle freie (Leipziger) Künstlervereinigung um Didi Voigt zur Pflege von leidenschaftlichem Geschichtentheater, das mit verhaltener Brachialität Schicksale aus der grauen Mitte tranchiert und ihnen somit zu neuer Würde und Individualität verhilft. Angetreten zur Verteidigung der Poesie des Lebens senden wir damit auch eine Liebeserklärung an die Insel THEATER als einer der letzten sinnlich-existentiellen Orte innerhalb unserer immer lauter und globalisierter werdenden Mediengesellschaft, denn "Wir spielen so sehr Rollen im Leben, dass es genügen würde, mit dem Spielen aufzuhören, um Theater zu machen." (Ryszard Cieslak)

Dieser THEATRALEN VERBOHRTHEIT auf den Grund zu gehen, ist zentraler Teil des Gesamtkonzeptes. Das Besondere der Projektidee THEATRALE VERBOHRTHEIT(en) und/oder - wenn man so will - das unterscheidend Abgrenzende innerhalb der Freien Theaterszene Leipzig ist die inhaltliche Fokusierung meiner Themen- und Stückauswahl auf den Prozeß des Altwerdens in den eigenen Reihen und auf seine „Konsequenzen" bzw. Begleiterscheinungen: also Theater über Theater-Macher inmitten ihrer Zerrissenheit zwischen Würde oder Erniedrigung, in den Fallhöhen von Ruhm und Scheitern, Gebrauchtwerden und Weggeworfensein, Hoffnung und Verzweiflung; die Spiegelung von Leben zwischen Erregung öffentlichen Interesses und privatem (Un)Glück. Es ist neben allem Existenzkampf diese zwingend-gnadenlose Verbohrtheit, die das professionelle Ausüben des Künstlerberufes (hier speziell: des Theatermachers) fordert und wie selbstverständlich - Berufswechsel ausgeschlossen - enorme Selbstausbeutung mit sich bringt. Psychische Deformationen bleiben da nicht aus; ich weiß wovon ich rede. Das aber scheint mir allemal eine öffentliche Liebeserklärung wert und vielleicht eine (nicht entschuldigende) Erklärung unserer beruflichen Sturheit: "Hier stehe ich und kann nicht anders als, was morgen kommt, schon heute zu erwarten; denn daß es kommt, erwart ich ja von mir." (A.Reimann)

Mir ist es eine Ehre dazuzugehören, für die ich in Demut dankbar bin und der ich damit eine Bühne geben möchte.

Dietmar Voigt; im Juli 2011

 





















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